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der20oktober2005
mitdertrauerleben

Hier sind einige Links zu Seiten von verwaisten Eltern:

www.lebenohnedich.de

www.veid.de

www.trauer.org

 

16 Punkte, die helfen können, mit der Trauer zu leben:

  1. Akzeptieren Sie die Trauer. Lassen Sie sich von ihren Wellen tragen. Versuchen Sie nicht, "gefasst" zu sein. Nehmen Sie sich Zeit zu weinen. Dies gilt auch für Männer: Männer dürfen auch weinen.

  2. Reden Sie über Ihren Verlust. Teilen Sie Ihre Trauer innerhalb der Familie mit: versuchen Sie nicht, andere durch Schweigen zu schützen. Suchen Sie einen Freund, mit dem Sie sprechen können, jemanden, der zuhören kann und nicht gleich ein Urteil fällt: wenn möglich jemanden, der Ähnliches erlebt hat. Und reden Sie viel. Falls ein Freund Ihnen sagt: "Reiß dich zusammen", suchen Sie sich einen anderen Freund.  

  3. Beschäftigen Sie sich. Erledigen Sie eine sinnvolle Arbeit, die Ihre Gedanken in Anspruch nimmt. Vermeiden Sie jedoch hektische Aktivitäten.

  4. Seien Sie gut zu sich selbst. Trauern kann Ihrer Gesundheit schaden. In diesem Augenblick ist Ihnen das vielleicht egal. Das wird sich aber ändern. Sie sind wichtig- Ihr Leben ist wichtig- kümmern Sie sich darum.

  5. Ernähren Sie sich richtig. In dieser Zeit der emotionalen und physischen Erschöpfung braucht Ihr Körper mehr als je zuvor eine ordentliche Ernährung. Falls Sie nur wenig essen können, sollten Sie an Multivitaminpräparate denken, auch wenn das kein Ersatz für eine gesunde Ernährung ist.

  6. Treiben Sie Sport. Kehren Sie zu Ihrem alten Programm zurück oder fangen Sie etwas Neues an. Körperliche Betätigung ruft biochemische Veränderungen hervor, die Ihnen helfen, einer Depression vorzubeugen und besser zu schlafen Sport ist gut für Körper, Geist und Seele.

  7. Versuchen Sie, angemessen mit Ihren Schuldgefühlen umzugehen. Glauben Sie daran:  Sie haben sicherlich das Beste getan, was Sie machen konnten. Auch wenn Sie Fehler gemacht haben, sollten Sie lernen, sie zu akzeptieren; wir alle machen Fehler. Nur im nachhinein kann man alles besser machen. Falls Sie überzeugt sind, dass Sie wirklich Schuld haben, sollten Sie vielleicht den Rat eines Psychologen oder eines Seelsorgers einholen. Es ist wichtig, dass Sie sich selber vergeben können oder Vergebung finden.

  8. Akzeptieren Sie Ihr Verständnis von Tod, zumindest im Augenblick. Sie haben sich wahrscheinlich gefragt: "Warum"? und haben begonnen zu verstehen, dass Sie nie eine annehmbare Antwort darauf bekommen werden. Vielleicht haben Sie einen Ansatz  zur Beantwortung der Sinnfrage gefunden. Verwenden Sie diesen Ansatz, dieses Verständnis. Leben Sie Ihre Fragen, dann werden Sie vielleicht eines Tages "in die Antwort hineinwachsen"  (Rilke).

  9. Schließen Sie sich einer Gruppe von Trauernden an. Der alte Kreis von alten Bekannten und Freunden wird sich ändern. Auch wenn dies nicht geschieht, brauchen sie neue Freunde, die eine ähnliche Erfahrung gemacht haben. Trauernde Menschen kommen in Selbsthilfegruppen zusammen, um sich gegenseitig mitzuteilen, Verständnis zu finden, sich zu unterstützen. Manchmal erwachsen Freundschaften daraus..

  10. Behalten Sie Kontakt zu alten Freunden. Dies kann schwierig sein. Manche werden in Verlegenheit geraten bei Ihrer Anwesenheit oder über Ihre Erfahrung nur ungern sprechen wollen. Manchen ist es peinlich, wenn Sie in Tränen ausbrechen oder einen Wutanfall haben, andere werden Sie fraglos in den Arm nehmen. Sie werden selbst schnell erkennen, welche Menschen in Ihrer Umgebung für Sie jetzt wichtig sind. Hält dabei eine Freundschaft der Belastung nicht stand, so ist auch das ein Lernprozess, der zu Ihrer Trauerarbeit dazu gehört. Die Freundschaften die bleiben, werden dafür umso intensiver werden und an Bedeutung in Ihrem Leben gewinnen.

  11. Verschieben Sie wichtige Entscheidungen. Warten Sie, bevor Sie sich z.B. entschließen, Ihr Haus zu verkaufen oder Ihre Arbeitsstelle aufzugeben.  

  12. Führen Sie ein Tagebuch, wenn Sie gerne schreiben. Dadurch lernen Sie, Ihre Gefühle auszudrücken, ohne dass jemand das Gesagte auf die Goldwaage legt. Vielleicht möchten Sie ja auch an Ihr Kind schreiben und ihm mitteilen, was Sie beschäftigt, wie das Leben ohne dieses Kind weitergeht, wie sich alles verändert. Sie können so auch erkennen, welchen Weg Sie schon geschafft haben.

  13. Verwandeln Sie Trauer in kreative Energie. Schreiben, malen oder töpfern Sie. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, Gefühle auszudrücken. Oder versuchen Sie, anderen zu helfen, ihre Last zu tragen- dadurch wird vieles leichter. In der Selbsthilfegruppe ist beispielsweise jeder die Stütze der anderen. Diese gemeinsame Trauerarbeit wird Ihnen vielleicht helfen.

  14. Nutzen Sie Ihren Glauben. Auch wenn Sie nicht religiös orientiert sind, so kann doch das eine oder andere Kirchenlied , Bibelwort oder ein Psalm zum Thema Trauer sehr hilfreich sein. Wenn Ihnen der Zugang schwerfällt, so können Sie sich an aktive Mitglieder der Kirchengemeinde wenden ( Pfarrer, Notfallseelsorger) , um Unterstützung  zu bekommen.

  15. Suchen Sie gegebenenfalls fachlichen Beistand: Manchmal genügen schon einige Sitzungen mit einem erfahrenen Berater, einem Psychologen, Therapeuten oder Trauerbegleiter, um Hilfe zu erfahren, um wieder ein Stück weit zu "überleben".

  16. Und vergessen Sie nie: So tief Ihre Trauer auch sein mag, Sie sind nicht allein. Andere haben dasselbe auch erlebt und werden Ihnen helfen, Ihre Last zu tragen, wenn Sie ihnen dies nur erlauben. Verweigern Sie sich nicht. Lehnen Sie das Angebot nicht ab; es gehört immer Mut dazu, Hilfe anzunehmen: aber - es gibt Hilfe für Sie!

Mit Trauer leben von Amy Hillyard Jensen , Amerikanischer Titel: HEALING GRIEF,  Medic.Publishing Co. 1980

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Wenn Kinder plötzlich sterben

Wenn der Tod ohne jegliche Vorwarnung eintritt, können Schock und Unfassbarkeit überwältigend sein. Es ist ohnehin einfach nicht der natürlich Lauf der Dinge, dass ein Kind vor seinen Eltern stirbt. Ganz besonders unbegreiflich ist dies dann aber, wenn das Kind plötzlich oder durch Gewalt starb. In diesen Fällen gibt es keine Gelegenheit sich darauf vorzubereiten, Mißverständnisse aus dem Weg zu räumen oder sich zu verabschieden. Für die Eltern und Geschwister verändert sich das Leben für immer, und zwar von einem Moment zum anderen, und es dauert seine Zeit bis begriffen wird, was da eigentlich geschehen ist.

Schock

Dies ist oft die erste Schutz-Reaktion des Körpers auf einen unerwarteten Todesfall. Es ist wie ein Stich mitten ins Herz. Manchmal fühlt man sich wie betäubt, so dass das äußere Familienleben fast wie normal weiterläuft, man die Beerdigung relativ ruhig über sich ergehen lässt und es einem schwer fällt seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Viel später fragt man dann verwundert, wie man das alles nur hat leisten können. Der Schock mit all seinen Symptomen ist ein normaler Schutzmechanismus des Körpers und es kann mehrere Tage und oft sogar Wochen dauern, bis die Betroffenen wirklich begreifen, was geschehen ist.

Zu diesem Prozesses kann es auch gehören, sich immer wieder zu frage, wo die Seele des Kindes so schnell hingeflogen ist. Oft wird der Glaube in Frage gestellt – manchmal jedoch auf Dauer sogar eher gefestigt .Einige Betroffene warten auf ein „Zeichen“ des Kindes. Andere wenden sich Drogen und Alkohol zu, was für eine Weile den Schmerz betäuben kann, aber letztendlich nur zu Depressionen und Einsamkeit führt.

Schuldgefühle

Es ist auch normal sich schuldig zu fühlen für das was geschehen ist. Eltern denken, dass es zu ihren Aufgaben gehört ihre Kinder zu beschützen. Nun ist das King gestorben und sie haben das Gefühl, ihren Kindern nicht den notwendigen Schutz gegeben zu haben. Auch Fragen wie „was wäre gewesen wenn?“ oder „warum habe ich nicht?“ und „wenn doch nur“ sind ganz normal, sollten aber nicht dazu führen, sich selbst die Schuld an allem zu geben. Ganz egal wie irrational ihre Gefühle vielleicht sind hilft es, immer wieder darüber zu reden – mit der Familie, aber besonders mit unvoreingenommenen Leuten, wie den Mitgliedern der Verwaisten Eltern.

Manchmal hilft es ein Tagebuch zu führen. Dort kann man schriftlich festhalten wie es vielleicht gewesen wäre sich zu verabschieden, und man kann einige unausgeprochene Dinge zum Ausdruck zu bringen. Schließlich werden die Schuldgefühle nicht mehr so sehr im Mittelpunkt der Trauer stehen. Langsam lernt man auch zu begreifen, dass viele Tragödien im Leben nicht zu verhindern oder vorherzusehen sind.

Die Realität akzeptieren

Wenn wir verstanden haben, dass wirklich wahr ist, dass unsrer Kind gestorben ist, wenn wir es als Realität  begriffen haben, setzen oft Wutgefühle und tiefe Trauer ein. Wut entsteht, da der Tod oft als eine große Ungerechtigkeit betrachtet wird Diese Gefühle sind normal. Die Wut richtet sich meist gegen die, die verantwortlich sind, gegen Gott oder gegen alles und jeden. Man sehnt sich häufig danach, bei seinem Kind sein zu können. Gespräche mit anderen betroffenen Eltern können helfen zu erkennen, dass man nicht alleine ist, dass die Gefühle und Gedanken die man hat, normal sind und dass man nicht dabei ist, seinen Verstand zu verlieren. Viele Familien berichten dass es das Schwierigste sei zu sehen, dass die Welt sich weiterbewegt, obwohl das Kind, der Bruder oder die Schwester nicht mehr da ist. Deswegen ist es auch sehr wichtig, einen besonderen Weg zu finden wie man das Kind in Erinnerung behält. Dies könnte zum Beispiel bedeuten, dass man das Kind so oft wie möglich in Gesprächen erwähnt, oder Geschichten über das Kind erzählt werden, oder auch indem man Familienmitglieder und Freunde versammelt, um des verstorbenen Kindes zu gedenken.

Reorganisation und Neuorientierung

Jeder Mensch trauert auf seine eigene Art und Weise. Durch diesen Trauerprozess lernt die Familie ohne das Kind und mit der Leere zu leben. Zu glauben, man werde nach einer gewissen Zeit wieder der oder die „ Alte“ ,ist ein Mythos. Betroffene Familien bekommen zwar mit der Zeit ihr Leben wieder in den Griff, doch es wird ein anderes leben sein. Nie werden sie wieder dasselbe Leben führen wie vor dem Todesfall. Die Familieneinheit hat sich für immer verändert. Ein Platz am Tisch wird von nun an leer sein. Um mit diesen Veränderungen leben zu lernen, kann es für Familien hilfreich sein, kurz- und langfristige Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Dies gilt ganz besonders dann, wenn das Kind plötzlich starb. Einige benötigen vielleicht auch Hilfe, um mit der Angst fertig zu werden, dass nun auch noch einem anderen Familienmitglied etwas zustoßen könnte.

Ganz allmählich lässt der „wahnsinnige“ Schmerz nach, und der Tod ist nicht mehr der Fokus des Lebens. An die Stelle des Schmerzes tritt dann – wenn wir es zulassen – Dankbarkeit, dieses Kind gehabt zu haben und die Freude an Erinnerungen.

Friedrich Rückert, der um zwei seiner Kinder trauert, die 1833 innerhalb weniger Tage an Scharlach starben, schreibt in seinem Buch: Kindertodtenlieder:

Dich verloren zu haben,

Ist wol ein Verlust;

Doch gehabt dich zu haben,

Ist auch eine Lust.

Nicht gehabt dich zu haben,

Das wär` ein Verlust;

Dich verloren zu haben

Wird dagegen zur Lust.

Manche Familienmitglieder entdecken in sich auch einen ganz neuen Ehrgeiz, ein Leben zu führen zu Ehren des verstorbenen Kindes, Bruders, der Schwester oder des Enkels –

ein Leben, auf das der Verstorbene stolz wäre.

 Was vorüber ist

ist nicht vorüber

Es wächst weiter

In deinen Zellen

Ein Baum aus Tränen

Oder vergangenem Glück

Einige Menschen schaffen Denkmäler, Fonds für Stipendien oder engagieren sich für Organisationen, um Ungerechtigkeiten zu beseitigen, die mit dem Tod des Kindes zu tun haben. All dies sind konstruktive Wege mit der Trauer umzugehen, wodurch letztlich sogar Gutes durch die Tragödie geschaffen wird.

Einige Betroffene, denen durch die Verwaisten Eltern der schwere Weg durch die Trauer erleichtert wurde, arbeiten auch lange nach dem Todesfall aktiv bei den Verwaisten Eltern weiter, um so auch anderen helfen zu können. Die beste Möglichkeit, beständig Unterstützung durch die Trauer zu erhalten ist, anderen Familien auf deren Weg durch die Trauer zu helfen. Dennoch muss jeder für sich einen eigenen Weg finden, um dem Leben einen neuen Sinn zu geben. Familien müssen – auf verschiedenste Weise – den Verlust in ihr Leben integrieren, und ihre Energien wieder in Liebe, Arbeit und das Leben investieren.

Die Verbindung zum Kind, Bruder oder Schwester oder Enkel wird niemals abbrechen, da die Liebe immer bestehen bleibt.

Das ist das Land der Lebenden

Und da ist ein Land der Toten.

Die Brücke zwischen ihnen ist

Die Liebe - das einzig Bleibende -

Der einzige Sinn.

 

© The Compassionate Friends ( TCF) USA-used by permission

© Bundesverband Verwaiste Eltern in Deutschland e.V., Eva Knöll für die deutsche Übersetzung und Überarbeitung

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Wenn das einzige Kind stirbt (oder alle Kinder sterben)

Der Tod eines Kindes erschüttert und überwältigt die Eltern, unabhängig davon wie alt das Kind war. Die Trauer nach dem Tod eines Kindes ist äußerst intensiv und komplex und kann sehr lange anhalten. Viele glauben, dass diese Art von Trauer, Trostlosigkeit und Schmerz alle anderen Formen der Trauer übersteigen, mit der man in seinem Leben konfrontiert wird.

Wenn nun das einzige Kind stirbt, so wird die Trauer zusätzlich durch einige weitere spezifische Probleme erschwert. Diese Probleme und Fragen müssen zunächst gelöst werden, ehe Heilung beginnen kann.

Kinderlos

Und plötzlich sind wir kinderlos. Diese schreckliche, neue und totale Stille in unserem Leben wird durch nichts mehr unterbrochen. Die Tatsache, dass wir keine weiteren Kinder haben, fügt noch einen zusätzlichen, herzzerreißenden Stachel in unsere Verzweiflung.

Unser Kind ist tot, und die Freude, Bedeutung und Hoffnung, die es für unser eigenes Leben hatte, scheinen für immer mit ihm verschwunden. Auf einmal fühlt sich unsere Welt ganz leer an. Das Leben kann sinnlos und bedeutungslos erscheinen. Alle Hoffnungen und Erwartungen waren auf dieses eine Kind gerichtet. All unsere Liebe, unser Planen, unsere Zukunft galt ihm. Wir haben das Gefühl, völlig alleine dazustehen. Wozu morgens aufstehen, die Mühen des Tages auf sich nehmen, wenn uns niemand mehr zu brauchen scheint? Für wen sollen wir die Qualen der Trauer aushalten? Dieses Gefühl kann mehrere Monate anhalten, sogar Jahre, bis wir uns langsam auf den Trauerweg begeben, bis wir verstehen, dass wir selbst es sind, für den wir leben, der es wert ist geliebt und umsorgt zu werden, bis wir spüren, dass wir uns  und unserem Leben selber einen Sinn geben müssen- und dies auch können. Es ist ganz wichtig sich bewusst zu sein, dass diese Gedanken und Gefühle normal sind. Jedoch haben viele andere Betroffene schon vor uns die Erfahrung gemacht, dass das Unglaubliche geschehen kann: dass wir weiterleben können ohne unser Kind, anders als bislang, auch anders als erhofft und geplant, aber doch auch wieder gut. Das aber geschieht nicht von alleine, es braucht unseren Willen, unsere Kraft, es braucht Zeit.

Auch wenn einem die ersten Monate und Jahre endlos erscheinen, so kann es doch langsam leichter werden. Diejenigen die auch schon eine solche Erfahrung gemacht haben wissen, dass wir mit etwas Anstrengung Schritt für Schritt Fortschritte machen können. Obwohl viele von uns kinderlos bleiben werden und unser Leben nicht wie geplant verlaufen ist, so kann das Leben aber trotzdem noch Freude bereithalten.

Sind wir trotzdem noch Eltern?

Auf einmal stellen wir unsere Identität in Frage, da wir plötzlich keine "praktizierenden" Eltern mehr sind. Doch letztendlich kommen wir zu der Erkenntnis, dass wir trotzdem immer Eltern sein werden. Denn die Erinnerungen an unsere Kinder, und die Liebe die zwischen uns war, wird immer ein Teil von uns sein. In der Anfangszeit der Trauer können solche Erinnerungen unheimlich schmerzhaft sein. In späteren Jahren aber bringen uns genau diese Erinnerungen Trost und Freude - auch wenn sie manchmal "bittersweet" sind.

Das Eltern-Sein hört mit dem Tod des Kindes nicht auf. Eltern ist man sein Leben lang. Dass dies so ist, zeigt auch unsere deutsche Sprache:

Stirbt ein Ehemann, so wird aus der Ehefrau eine Witwe.

Sterben Eltern, so werden aus Kindern Waisen.

Diese Begriffe zeigen den Statuswechsel an.

Einen solchen Begriff gibt es aber nicht für Eltern, deren Kind gestorben ist. Man bleibt Vater oder Mutter. Man bleibt auch Bruder, Schwester oder Großeltern.

Der Weg der Trauer

Wahrscheinlich lesen Sie diese Broschüre noch ganz am Anfang Ihrer Trauer. Deswegen sollten wir uns zunächst mit den Problemen dieser Anfangszeit beschäftigen, ehe wir auf den Neuanfang zu sprechen kommen.

Wir möchten Sie ermutigen, Ihre Trauer weder aufzuschieben noch zu schnell den Schmerz überwinden zu wollen. "Trauer lässt sich nicht überwinden wie einen Feind". "Durch das Leid hindurch, nicht am Leid vorbei, führt der Weg in ein neues Leben ohne unser Kind." Das sind zwei zentrale Erfahrungen von Eltern , die diesen Weg schon gegangen sind. Es ist ganz klar, dass viel Schmerz und viele andere, vielleicht sogar unerwartete Gefühle Sie auf dieser Reise begleiten werden., aber deswegen sollten Sie keine Angst haben oder den Weg der Trauer meiden. Dieses Chaos an Gefühlen gehört zur Trauer. Es ist so natürlich und normal wie die Abfolge von Tag und Nacht. Eine ganze Zeit lang wird Ihnen Ihr Leben wie eine Fahrt in der Achterbahn vorkommen. Und schnell werden Sie merken, dass Tränen weder auf den Zeitpunkt noch auf den Ort Rücksicht nehmen. Doch lassen Sie Ihre Tränen ruhig fließen, so löst sich der Druck ein wenig. Und die Kraft, die Sie sonst brauchen um Tränen und Trauer zu unterdrücken, können Sie besser für die Neugestaltung Ihres Lebens einsetzen. Unterdrückte Trauer verstärkt außerdem körperliche und seelische Symptome. Trauer ist keine Krankheit, kann aber durchaus krank machen, wenn man sie verdrängt.

Sie werden schnell merken, dass Lachen für Ihre Heilung genauso wichtig ist wie Weinen. Auch wenn es eine ganze Weile dauern kann, bis Sie mal wieder wirklich Spaß haben, so nehmen Sie es dankbar an, wenn Ihnen etwas Freude macht und Ihnen zum Lachen zu Mute ist. Einige Betroffene haben das Gefühl ihr Kind zu verraten, wenn sie lachen, sie fühlen sich schlecht, dass sie Freude haben, während ihr Kind doch tot ist und nie mehr lachen wird. So zu empfinden ist normal, und zumindest vorübergehend erlebt das wohl fast jeder Trauernde so. Andere Trauernde empfinden es als Geschenk, dass sie trotz aller Trauer die Erleichterung des Lachens erleben dürfen und fühlen sich in solchen Momenten ihrem Kind ganz besonders nahe. Sie sind sicher, dass ihr Kind sie gerne lachen sieht. Vielleicht kann Ihnen diese Sichtweise helfen, auch in Ihrem Leben der Freude wieder einen Platz zu geben. Es geht ja immer darum, das ganze Leben zu leben. Und dazu gehören Freud und Leid. Versuchen Sie, diese Erleichterung einfach zu akzeptieren.

Vielleicht tut es Ihnen gut, die Erinnerungen an Ihr Kind mit anderen Menschen zu teilen. Sie werden schnell merken, dass Ihr Leben mit Ihrem verstorbenen Kind aus viel mehr Freude als Schmerz bestanden hat. Niemand, der nicht selbst eine solche Erfahrung hat machen müssen, kann erahnen, welchen Schmerz Sie empfinden. Dennoch sollten Sie auch Nichtbetroffenen gegenüber von Ihren Gefühlen sprechen. Nur so können sie erfahren, was in Ihnen vorgeht, was Menschen erleben, deren Kind gestorben ist. Von solchen Gesprächen können sowohl Sie als auch Ihre Gesprächspartner profitieren.

Vielleicht tut es Ihnen auch gut von Menschen umgeben zu sein, die Ähnliches durchgemacht haben. Erkundigen Sie sich nach den Selbsthilfegruppen der Verwaisten Eltern, die sich regelmäßig treffen. Obwohl die meisten Eltern, die noch weitere Kinde haben, Ihre Situation nicht ganz nachvollziehen können, so werden Sie aber schnell spüren, dass der Tod eines jeden Kindes das Ende eines einzigartigen "Einzelkindes" ist. Andere betroffene Eltern werden Ihren Schmerz, Ihre Leere verstehen können. Mit ihnen können Sie weinen und trauern und auch lachen mit der Gewissheit, verstanden zu werden. Sie werden sich weniger einsam fühlen. Und mit den anderen betroffenen Eltern können Sie eine neue Zukunft planen und in ersten Schritten gestalten, eine Zukunft ohne das gestorbene Kind.

Wie viele Kinder haben Sie?

Viele betroffene Eltern finden es sehr schwierig, die Frage " Wie viele Kinder haben Sie?" zu beantworten. Einige möchten die Erinnerung an das Kind würdigen und antworten "Ich hatte ein Kind" oder "Ich hatte zwei Kinder". Andere fühlen sich wohler "keine" zu antworten. Sie werden sehen, dass Ihre Antwort sich mit Ihren Bedürfnissen möglicherweise im Laufe der zeit verändern wird. Das Geheimnis liegt darin, sowohl auf die Frage als auch auf Ihre sich verändernden Bedürfnisse vorbereitet zu sein. Sagen Sie genau das, was Sie zu dem Zeitpunkt denken und fühlen.

Während wir diesen großen Verlust betrauern, drängen Familie und Freunde uns oft uns auf das zu konzentrieren, was wir noch haben. Da wir oft das Gefühl haben, gar nichts mehr zu haben, stört uns dieses Drängen vielleicht, und wir fühlen uns unverstanden. In solchen Momenten ist es wichtig sich daran zu erinnern, dass unsere Familie und Freunde nur unseren Schmerz lindern wollen. Sie möchten uns gerne wieder wie früher sehen. Sie tun das nicht nur aus Liebe zu uns, sondern auch, weil unser Schmerz sie konfrontiert mit ihrer Angst vor dem Tod - sowohl dem eigenen, als auch dem von Menschen die sie lieben. Unsere Familie und wir selber werden die Erfahrung machen, dass es eine ganze Weile dauern wird, bis wir sehen können, was uns noch geblieben ist.

Erinnerungen

Fürchten Sie sich nicht davor, Erinnerungen an Ihr Kind am Leben zu halten. Es ist möglich, bedeutsame Dinge der Vergangenheit zu einem Teil des Heute und Morgen zu machen. Vielleicht empfinden Sie es als tröstend, ein Kleidungsstück oder ein Schmuckstück Ihres Kindes zu tragen - oder eine Collage anzufertigen, die Sie in Ihrem Haus aufhängen. Selbst ein Spielzeug im Regal zeigt, dass die Erinnerung an Ihr Kind greifbar ist.

Investition in die Zukunft

Eine der größten Herausforderungen ist es, sich wieder auf unser Leben zu konzentrieren. Keinen Sinn mehr zu sehen und der Gedanke an ein einsames Leben, möglicherweise ohne nachgeborene Kinder, Schwiegerkinder und Enkelkinder kann große Angst machen. Meistens fällt es uns für längere Zeit schwer, irgendwas außer unserer großen Verzweiflung zu sehen.

Doch mit der Zeit bilden sich neue Freundschaften und unser Leben schreitet voran., mit anderen Akzenten und Überzeugungen, mit anderen Wichtigkeiten und oft mit neuen Inhalten. Alte Freunde, die es nicht schaffen, unser Schicksal mit zu ertragen, werden in unserem Leben weniger Bedeutung haben. Auch die Familie begibt sich in eine Phase der allmählichen Anpassung. Ein neues Leben zu planen ist schwierig, während wir gleichzeitig unser momentanes Leben neu bewerten und versuchen, uns von dem furchtbarsten Verlust in unserem Leben zu erholen. Irgendwann jedoch nimmt die Intensität der Trauer ab, und die meisten von uns finden einen Weg, wie sie den Rest ihres Lebens gestalten können, dass ein gutes Weiterleben möglich ist mit der Erinnerung an unser Kind. Einige möchten gerne Dinge erreichen, die Ihre Kinder vielleicht irgendwann sich als Ziel gesetzt hatten -  wozu ihnen aber das Leben die Chance nicht gab.

Zu einem solchermaßen neugestalteten aktiven und bewussten Weiterleben ist mehr erforderlich als eine einzige Entscheidung. Es gibt auch keine einfache Lösung dafür. Neue Ziele und neue Prioritäten müssen wir setzen Wir können in unser Leben auf verschiedenste Weise investieren. Einige nutzen ihr Geschick als Eltern, um Pflegekinder aufzunehmen oder sich z.B. bei den Pfadfindern oder anderen Organisationen für Jugendliche zu engagieren.

Die meisten von uns möchten gerne etwas Konstruktives tun, um die Erinnerung an unser Kind am Leben zu halten. Viele haben Bücher an Büchereien abgegeben, ein Buch über das Leben des Kindes geschrieben, Bäume gepflanzt und sich dafür eingesetzt, anderen zu helfen. Vielen von uns hilft dies, die Erinnerung an unser Kind lebendig zu halten. Es gibt uns und auch anderen die Möglichkeit zu sehen, wie besonders unsere Kinder waren.

Ganz egal in welcher Situation Sie sich befinden, denken Sie daran: Sie sind auf jeden Fall nicht alleine. Es gibt viele andere betroffene Eltern, die Heilung gesucht haben und diese auch erreicht haben. Indem Sie Ihre Erfahrungen mit anderen Menschen teilen, werden Sie einer der "Geheilten" und können nun anderen dabei helfen "geheilt" zu werden. Wenn wir uns gegenseitig im Schmerz und mit Liebe beiseite stehen, werden wir uns mit der Zeit wieder ganz und nicht mehr leer fühlen.

Eines Tages werden Sie erkennen, wie Sie in ihrer Trauer Fortschritte machen. Zum Beispiel werden sie aufwachen ohne dass ihr verstorbenes Kind der allererste Gedanke ist. Wenn Sie dort angelangt sind, beschreiten Sie eine Welt, in der das Leben und der Tod Ihres Kindes wahrhaftig etwas bewirkt hat.

© The Compassionate Friends (TCF) USA - used by permission

© Bundesverband Verwaiste Eltern in Deutschland e.V., Eva Knöll für die deutsche Übersetzung und Überarbeitung

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Was in der Trauer helfen kann

In diesem Text werden einige Ideen aufgeführt, die für trauernde Menschen hilfreich sein könnten. Nicht alle Ideen werden zu jedem passen, da unterschiedliche Arten von Verlust auch verschiedene ‘Antworten’ brauchen. Ausserdem trauert niemand auf gleiche Weise – was dem einen hilft muss für einen anderen nicht auch hilfreich sein. sein. Deswegen soll diese Auflistung nur  als eine Reihe von Vorschlägen gesehen werden - Vorschläge von Trauernden für Trauernde..

Vielleicht finden Sie hier einige Anregungen, was Ihnen in Ihrer Trauer helfen könnte. Es Der Schwerpunkt liegt hier bei speziellen, praktischen Ideen.

Regelmäßig mit Freunden reden

Mit anderen darüber reden ,was in Ihnen vorgeht, was Sie denken und fühlen, ist das Beste was Sie für sich selbst tun können. Es kann dabei helfen, etwas von dem  Druck zu lösen, den Sie vielleicht verspüren. Es kann Ihnen eine Art Perspektive geben und hält außerdem den Kontakt zu anderen aufrecht. Suchen Sie sich jemanden, der gut zuhören kann und der sich gut in andere hineinversetzen kann. Dann reden Sie einfach über das, worüber sie nachdenken und was Ihnen auf dem Herzen liegt.

Wenn dies etwas einseitig klingt, dann nehmen Sie es einfach so für diesen Abschnitt Ihres Lebens hin. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird Ihr Gegenüber sogar den Sinn im Zuhören erkennen. Es wird irgendwann die Zeit kommen, dass Sie selbst jemandem helfen können, indem sie ihm ein offenes Ohr schenken. Sie werden dann sogar ein besserer Zuhörer sein, wenn sie jetzt ein guter Redner sind.

Tragen Sie etwas, was sie mit dem Verstorbenen verbindet

Tragen Sie etwas in Ihrer Tasche oder Handtasche, dass Sie an die verstorbene Person erinnert – vielleicht ein Souvenir, was die Person Ihnen einmal gegeben hat, etwas, das er einmal selbst getragen hat, oder etwas, das Sie speziell für diesen Zweck ausgewählt haben. So könnten sie zum Beispiel auch Schmuck des / der Verstorbenen tragen. Wann immer Ihnen danach ist, dann greifen Sie einfach nach diesem Gegenstand und erinnern sich daran, welche Bedeutung er für Sie hat

Fangen Sie ein „Buch der Erinnerungen“ an

Sammeln Sie Fotos, die das Leben des Verstorbenen dokumentieren. Bringen Sie diese in eine Reihenfolge, so dass sie eine Geschichte erzählen. Dann können Sie andere Gegenstände hinzufügen: zum Beispiel Zeugnisse, Auszeichnungen, Erinnerungen an wichtige Momente. Heften Sie all dies in einen Ordner und heben es so auf, dass andere Leute es sich anschauen können. Wann immer Ihnen danach ist, schauen Sie es sich  auch alleine an. Während Sie das tun., tauchen Sie in die Erinnerung ein.

Erinnern Sie sich an Ihre Träume

Träume sagen häufig  viel über Ihre Gefühle und Ihre Beziehung zu der verstorbenen Person aus. Träume können traurig sein oder einem sagar, besonders am Anfang, Angst machen. Das kann einem seltsam vorkommen. Eventuell kommt die verstorbene Person in Ihren Träumen vor. Akzeptieren Sie Ihre Träume so wie sie sind und versuchen Sie zu erkennen, was man aus ihnen lernen kann. Niemand kann es besser wissen als Sie selbst - vielleicht aber nicht sofort, sondern später. Schreiben Sie sich deshalb Ihre Träume auf. Führen Sie ein kleines Traumtagebuch.

Sagen Sie den Menschen, was Ihnen hilft und was nicht

Menschen um Sie herum verstehen wahrscheinlich nicht, was Sie brauchen. Sagen Sie es Ihnen. Wenn es Sie glücklich macht, den Namen des Verstorbenen zu hören, dann sagen Sie es. Wenn Sie mehr Zeit für sich  alleine haben möchten, oder Hilfe bei der Hausarbeit brauchen, die Sie alleine einfach nicht bewältigen können, oder auch einfach ab und zu einmal eine Umarmung brauchen., dann sagen Sie es. Seien Sie ehrlich und sagen Sie was Sie brauchen und was Sie nicht wollen.

Menschen können keine Gedanken lesen. Deswegen müssen Sie Ihre Gedanken laut aussprechen.

Bitten Sie um eine Kopie des Trauergottesdienstes

Wenn der Gottesdienst für Sie eine große Bedeutung hatte wegen der Worte, die gesprochen wurden, bitten Sie um eine Kopie der Texte. Jeder der dazu beigetragen hat wird, glücklich sein, dass sein Beitrag geschätzt wurde.

Lesen Sie diese Worte wann immer Sie möchten. Einige Leute finden, dass diese Gedanken Wochen und Monate nach dem Gottesdienst eine noch größere Bedeutung bekommen.

Pflanzen Sie etwas als Andenken

Pflanzen Sie eine Blume, eine Hecke oder einen Baum als Andenken an die verstorbene Person, oder pflanzen Sie mehrere verschiedene Dinge. Wenn Sie möchten, tun Sie dies in einer Art Zeremonie, vielleicht mit Freunden und Bekannten gemeinsam. Wenn Sie das Gewächs zu Hause einpflanzen, könne Sie zusehen, wie sie wächst und sich täglich und mit jeder Jahreszeit verändert. So, wie sich vielleicht auch Ihre Gefühle und Gedanken, Ihre Trauer verändern.

Benutzen Sie Orte und Gegenstände

Halten Sie sich in Räumen oder Orten des / der Verstorbenen auf, die für diesen Menschen typisch waren. Wenn es Ihnen hilft, dann könnten Sie zum Beispiel in dessen Lieblingsstuhl sitzen, in dessen Bett schlafen oder einfach nur in dessen Zimmer stehen. Wenn so etwas Sie tröstet, tun Sie es, aber tun Sie es nicht, wenn es sich zu merkwürdig anfühlt. Sie werden schnell genug merken, was das Richtige für Sie ist. Es muss für Sie gut sein, nicht für Ihre Mitmenschen.

Tagebuch

Schreiben Sie über Ihre Gedanken und Gefühle. Scheiben Sie, wann immer Ihnen danach ist, aber versuchen Sie es mindestens ein paarmal pro Woche zu tun, wenn nicht sogar einige Male am Tag. Zensieren Sie nicht was Sie schreiben – Seien Sie einfach so ehrlich wie möglich. Später können Sie sich dann das Geschriebene durchlesen und feststellen wie Sie sich verändern und auch schon verändert haben. Dann können Sie auch über diese Erfahrung schreiben. Heben sie alles mindestens ein Jahr lang auf.

Kaufen Sie etwas Weiches, was Sie mit ins Bett nehmen können

Für einige  Menschen ist ein Teddybär die erste Wahl. Aber es gibt noch andere Möglichkeiten. Suchen Sie sich etwas aus ,das weich und kuschelig ist. Und dann nehmen Sie es, ganz egal wie alt Sie sind, und kuscheln einfach damit!

Schreiben Sie an die verstorbene Person

Schreiben Sie Briefe oder andere Nachrichten an den verstorbenen Menschen. Zum Beispiel Gedanken, die Sie am liebsten in dessen Gegenwart ausdrücken würden. Und wer weiß schon, ob unsere Verstorbenen sie nicht sogar auf irgendeine Weise anwesend sind?

Heben Sie das Geschriebene in Ihrem Tagebuch auf, oder auf Briefpapier oder auch auf dem Computer, ganz wie Sie wollen.

Nach einiger Zeit werden Sie bemerken, dass das Bedürfnis an den verstorbenen Menschen zu schreiben, nachlässt. Doch für einige Zeit kann es eine wahre Erleichterung sein, auf diese Weise eine Art Verbindung herzustellen.

Ziehen Sie Selbsthilfegruppen in Betracht

Es kann sehr hilfreich sein, einige Zeit mit Leuten zu verbringen, die Ähnliches erlebt haben. Dort werden Sie merken wie normal und natürlich Ihre Gefühle sind. Sie merken, daß Sie nicht alleine sind. Von der Erfahrung und den Ideen der anderen können Sie nur lernen. Außerdem können Sie dort auch Unterstützung für eventuell  nötige bevorstehende Veränderungen finden. Natürlich sind Selbsthilfegruppen nicht für jedermann die richtige Hilfe. Aber viele Betroffene schwören inzwischen darauf. Wenn Sie es nicht zumindest versuchen, werden Sie nicht wissen, ob es gut für Sie ist.

Zünden Sie am Eßtisch eine Kerze an

Es kann eine gute Idee sein, am Eßtisch eine Kerze in Erinnerung anzuzünden, besonders wenn Sie alleine essen – aber auch dann, wenn Sie mit anderen zusammen sind. Während Sie die Kerze anzünden, halten Sie inne und denken Sie an den geliebten Menschen, den Sie verloren haben. Natürlich können Sie auch zu anderen Gelegenheiten eine Kerze anzünden – zum Beispiel, wenn Sie abends alleine sind.

Gestalten Sie zu Hause einen Platz zum Gedächtnis

In einem Raum, der passend erscheint, könnten Sie ein kleines Tablett zu Ehren des Person herrichten. Zum Beispiel ein oder zwei eingerahmte Fotos, einen gewonnenen Preis oder eine Auszeichnung, oder auch etwas, das sie gebastelt hat – oder auch einfach einen geliebten Gegenstand. Das Tablett kann dann auf einen kleinen Tisch, auf den Kaminsims oder Schreibtisch gestellt werden. Einige Menschen finden es schön, ein paar Kerzen aufzustellen, die nicht nur ein Andenken an diese eine Person sind, sondern auch an andere Verstorbene. In diesem Fall könnte man einige verschiedene Kerzen aufstellen, die alle ein einzigartiges Leben darstellen.

Benutzen Sie Ihre Hände

Manchmal tut es gut, etwas Gleichförmiges, sich Wiederholendes mit den Händen zu tun, etwas worüber Sie nicht viel nachdenken müssen, da es fast von alleine geschieht. Stricken und Häkeln zum Beispiel, aber auch Holzschnitzerei, polieren, Puzzles zusammensetzen, malen, spinnen, schaufeln, waschen…und zahllose andere Aktivitäten.

Lassen Sie den Tag mit der verstorbenen Person beginnen

Wenn Ihre Trauer noch sehr frisch ist, denken Sie wahrscheinlich sowieso gleich beim Aufwachen an die / den Verstorbenen. Warum beschließen Sie also nicht gleich von Anfang an, sie / ihn in Ihren Tagesbeginn mit einzubinden. Betrachten Sie diese Zeit auf positive Art. Holen Sie sich schöne Erinnerungen ins Gedächtnis zurück. Erinnern Sie sich an Dinge, die Sie von der Person gelernt haben, Geschenke, die Sie von ihr bekommen haben oder Sie ihr gemacht haben. Überlegen Sie sich, wie Sie den Tag so verbringen könnten.

Bitten Sie jemanden, Ihr „Telefon Freund“ zu sein

Wenn Sie Trauer und Traurigkeit mal besonders stark überwältigen und niemand in der Nähe ist, an den Sie sich wenden können, dann bitten Sie jemanden, dem Sie vertrauen, Ihr Telefon Freund zu sein.

Bitten Sie um Erlaubnis, diese Person Tag und Nacht anrufen zu dürfen, wenn Sie einfach jemanden zum Reden brauchen. Legen Sie deren Nummer neben Ihr Telefon und rufen Sie an, wenn es nötig ist. Natürlich sollten Sie dieses Privileg nicht missbrauchen. Manchmal reicht es schon, zu wissen daß man könnte, wenn man wollte! Stellen Sie sich vor, dass Sie irgendwann einmal selbst diesen Dienst jemandem anbieten könnten. Das macht es Ihnen vielleicht leichter, diese Hilfe anzunehmen.

Sorgen Sie dafür, dass Sie Zeit für sich alleine haben

Wenn Sie reichlich Zeit alleine verbringen, ignorieren Sie einfach diesen Gedanken. Aber wenn Sie oft mit der Familie, Freunden oder Kollegen zusammen sind, sorgen Sie dafür, auch etwas Zeit alleine zu verbringen. Wichtig in der Trauerarbeit ist auch, zu spüren, was in Ihrem Inneren vorgeht – Ihre Gedanken, Gefühle, Erinnerungen, Hoffnungen und Träume. Deswegen sollten Sie sich die Möglichkeit geben, in sich selbst zu kehren und damit in Kontakt mit sich selbst zu kommen.

Hören Sie Musik

Wählen Sie Musik, von der Sie glauben, dass sie Ihnen in bestimmten Momenten helfen kann. Ganz egal ob es moderne, alte, instrumentale, weltliche oder kirchliche Musik ist, lassen Sie sich von den Klängen einhüllen und beruhigen. Wenn Sie möchten, können Sie die Musik mitnehmen, so dass sie Sie auch am Tag begleitet.

Unternehmen Sie etwas, was dem Verstorbenen gefallen hätte

Halten Sie die Erinnerung an die verstorbene Person auf Ihre eigene Art und Weise wach. Eine Witwe zum Beispiel aß ein Mal im Jahr ein besonderes Sauerkrautgericht, obwohl sie es selbst gar nicht mochte. Doch es war das Lieblingsgericht Ihres Mannes, und es tat ihr gut, sich auf diese Weise an ihn zu erinnern. Es gibt garantiert viele verschiedene Dinge, die Sie tun können, irgendetwas, das einmal Ihrem Verstorbenen Freude bereitet hat. Die Bedeutung muss ja nicht mit dem Tod der Person aufhören.

Wählen Sie Ihr Unterhaltungsprogramm sorgfältig aus

Einige Fernsehprogramme und Kinofilme sollten Sie besser vermeiden, wenn Sie sich in tiefer Trauer befinden, das gleiche gilt auch für Bücher. Wenn Sie sich nicht sicher sind, seien Sie lieber vorsichtig. Das ist besser, als wenn Sie sich ungewollt in einer Situation wiederfinden, die viele Gefühle hervorruft , mit denen Sie gar nicht umgehen können. Z.B. wenn jemand vor kurzem an Krebs gestorben ist, wäre es wahrscheinlich keine gute Idee, sich solch ein ähnliches Thema im Kino auf einer riesigen Leinwand anzuschauen.

Halten Sie Ihre Seele aktiv

Machen Sie dies so, wie es Ihnen richtig erscheint. Einige Leute meditieren, andere beten, noch andere verbringen etwas Zeit alleine in der Natur. Einige tun es gerne in Gesellschaft, andere lieber alleine. Viele trauernde Menschen bekommen das Gefühl, dass wir alle, ob lebendig oder gestorben, auf spiritueller Ebene miteinander verbunden sind, was nicht leicht zu beschreiben ist. Achten Sie gerade während iHrer Trauer besonders gut auf Ihre Seele.

Machen Sie die Veränderung in Ihrem Leben sichtbar

Sobald Sie sich dazu bereit fühlen, sollten Sie einige Dinge in Ihrem Haus, in Ihrem Leben verändern, um diese bedeutende Veränderung deutlich zu machen.

Stellen Sie Möbel in einem Zimmer um, geben Sie Gegenstände, die Sie nie wieder benutzen werden, weg. Das bedeutet nicht, dass alle Hinweise auf die verstorbene Person entfernt werden sollen, sondern dass Sie deren Zimmer oder Ihr Zuhause nicht wie einen Schrein behandeln sollten, der unter keinen Umständen verändert werden darf. Man darf die Äußerlichkeiten der neuen, veränderten Lebenssituation anpassen.

Die Liebe zum Verstorbenen verträgt das.

Lachen Sie ruhig

Manchmal wird etwas Lustiges geschehen – genau wie damals. Und manchmal werden Sie sich an etwas Komisches erinnern, was in der Vergangenheit passiert ist. Wenn so etwas geschieht, dann lachen Sie ruhig, wenn Sie etwas lustig finden. Damit verraten Sie nicht die geliebte Person. Im Gegenteil, es wird so deren und ihre eigene Lust am Leben wachgehalten. Lachen zu können ist eine Gabe, die Sie – auch im Gedenken an den verstorbenen Menschen – nutzen sollten.

Weinen Sie ruhig

Weinen geht Hand in Hand mit Trauer. Tränen stauen sich auf und fließen, wenn man es am wenigsten erwartet. Verhaltenes Schnüffeln kann von einem Moment zum anderen zu starkem Schluchzen werden. Vielleicht kommt einem das seltsam vor, es ist aber ganz normal für Menschen in Trauer. Wenn Ihnen nach Weinen zumute ist, dann weinen Sie, wenn nicht, dann nicht. Einige Trauernde weinen nur ganz selten - das ist deren Art zu trauern. Andere weinen viel - auch das ist in Ordnung.

Reden Sie mit dem verstorbenen Menschen

Wenn es Ihnen hilft, dann reden Sie mit dem verstorbenen Menschen, wenn Sie alleine im Auto sitzen, am Grab stehen oder wenn Sie der Mut für eine wichtige Entscheidung verlassen hat. Ob Sie laut sprechen oder flüstern macht keinen Unterschied. Sie wünschten sich einfach, dass die Person da wäre, damit Sie es mit ihr bereden könnten. Manchmal kannte man den Verstorbenen so gut, daß man bei einer solchen Unterhaltung dessen Argumente ebenfalls kennt. Das kann sogar wirklich helfen, seine Gedanken zu ordnen, eine Entscheidung zu treffen. Das Bedürfnis, mit Ihrem lieben Verstorbenen zu reden, wird mit der Zeit wahrscheinlich abnehmen.

Nähen Sie sich oder kaufen Sie eine „Erinnerungsdecke“

Nähen Sie oder laden Sie Freunde ein, mit Ihnen gemeinsam zu nähen. Sie können auch jemanden bezahlen, für Sie zu nähen. Ganz egal, wie Sie es bewerkstelligen, fertigen Sie einen Wandteppich oder eine Bettdecke an, die an die wichtigen Erlebnisse der verstorbenen Person erinnert. Lassen Sie sich damit ruhig Zeit. Sehen Sie es als genau das was es ist: ein Werk der Liebe

Lesen Sie darüber, wie andere mit dem Tod einer geliebten Person umgegangen sind

Es kann sein, dass für Sie Ihre eigene Trauer schwer genug ist, dass Sie vom Leid anderer Menschen nicht auch noch belastet werden möchten. Wenn Sie aber sehen möchten, wie andere mit so einer Situation umgegangen sind, dann lesen Sie zum Beispiel „Überall Deine Spuren“, „Im Himmel warten Bäume auf Dich“, „Ich habe euch alle sehr geliebt“, ….

Nehmen Sie sich einen freien Tag

Wenn Ihnen danach ist, dann nehmen Sie sich einfach mal einen Tag frei. Tun Sie, was immer Sie möchten, oder auch nicht. Verreisen Sie oder bleiben Sie einfach zu Hause. Sein Sie aktiv, oder tun Sie rein gar nichts. Ernennen Sie es einfach zu Ihrem Tag, was auch immer das für Sie bedeutet.

Erkennen Sie Zeichen von Abhängigkeit

Sofort nach einem Todesfall ist es ganz normal, mehr als sonst auf andere Menschen angewiesen zu sein. Wenn aber diese Abhängigkeit mit der Zeit nicht nachlässt, ist es für Sie selbst nicht gut. Achten Sie auf Anzeichen, ob Sie wirklich noch Hilfe und Unterstützung brauchen. Loben Sie sich, wenn Sie etwas alleine geschafft haben.

Belohnen Sie sich

Sein Sie nett zu sich selbst in ihrer Trauer. Tun Sie Dinge für sich, die Sie wirklich genießen – vielleicht nach einem langen Tag oder wenn Sie sich gerade einsam fühlen. Laden Sie sich selbst auf ein Essen oder eine Delikatesse ein. Kaufen Sie sich Blumen. Tun Sie etwas Ungewöhnliches, das Sie glücklich macht. Genießen Sie diesen Moment, so gut Sie können.

Helfen Sie anderen

Versuchen Sie ab und zu, Ihre eigenen Problem in den Hintergrund zu stellen und widmen Sie Ihre Aufmerksamkeit anderen Menschen. Bieten Sie ein Geschenk oder einen Dienst an. Tun Sie dies für den anderen, aber genauso auch für sich selbst. Fühlen Sie sich, dass Sie einen Unterschied machen konnten zwischen Ihrer eigenen Hilfsbedürftigkeit und der des anderen. Freuen Sie sich, daß Sie überhaupt wieder die Bedürfnisse anderer Menschen sehen können.

Schreiben Sie auf was Sie gelernt haben - In Ihrer Trauer werden Sie viel lernen.

Schauen Sie ab und zu auf das zurück, was genau Sie gelernt haben. Schreiben Sie es so einfach auf wie möglich auf – und lassen Sie sich von diesen neuen Erkenntnissen, den neuen Fähigkeiten durch den Alltag begleiten.

 

© The Compassionate Friends ( TCF) USA-used by permission

© Bundesverband Verwaiste Eltern in Deutschland e.V., Eva Knöll für die deutsche Übersetzung und Überarbeitung

 


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